Einige von uns treffen sich gelegentlich am Wochenende mit ein paar Kumpels zum Fußballspielen. Manchmal steht einer im Tor, meistens sind wir aber nicht genug dafür. In den seltensten Fällen werden Tore gezählt, es geht um den Spaß, sich zusammen auszupowern, sich zum Löffel zu machen, gemeinsam zu lachen und danach vielleicht ein Bierchen zu trinken.

In der Kreisliga sieht das schon anders aus. Natürlich kann noch keiner der Spieler vom Fußball leben. Aber die Mannschaften trainieren mindestens einmal wöchentlich zusammen, es gibt Trainer, Freundschafts- und Pflichtspiele – oft mit einem Sieger. Nach jedem Spieltag können die Mannschaften ihre Leistung an der Tabelle ablesen. Der Meister wird am Ende gekürt. Wer zum Training nicht erscheint, muss etwas in die Mannschaftskasse einzahlen. Wer zu oft fehlt, sitzt auf der Bank.

Und in der Champions League? Ganz sicher bin ich mir nicht – ich bin kein Fußballprofi, aber das alle Profis sind, daran besteht wohl kein Zweifel. Mannschaften werden aus den Besten der Besten zusammengestellt. Es gibt einen ganzen Apparat an Trainern und Ärzten. Es wird jeden Tag trainiert, einzeln und in der Mannschaft, mit Videoanalysen und Nachbesprechungen. Basisattribute von Einzelspielern wie Ausdauer und Sprintgeschwindigkeit werden gemessen und gestärkt, ebenso wie ganze Spielzüge eingeprobt und perfektioniert werden. In jedem Spiel werden nicht nur die Tore gezählt, sondern auch Kennzahlen wie Ballbesitz verfolgt. Es ist klar: Das ist die Elite, hier werden Nuancen verglichen. Die Mannschaft soll jeden Tag besser aufgestellt sein als am Tag zuvor. Und hier kann das ganz große Geld im Fußball verdient werden – von allen Beteiligten.

Soviel zum Fußball… aber hat das vielleicht auch etwas mit Wirtschaft zu tun?

In welcher Liga spielen Du und Dein (oder Sie und Ihr) Team?

Wie wird sichergestellt, dass die rekrutierten Talente wirklich im Durchschnitt besser sind als die der Marktbegleiter?

Wie genau kennt der Teamleiter die Schwachstellen im Team?

Wann gab es das letzte Einzelcoaching? (Übrigens: Der Trainer ist nicht der beste Fußballspieler. Aber er kann den besten Spielern dabei helfen, noch besser zu werden).

Wann gab es die letzte Post-Mortem-Analyse, ein After-Action-Review oder eine Lessons-Learned-Session?

An welchen Kennzahlen macht das Team fest, ob es heute besser ist als gestern? Besser als der Wettbewerb?

Kann jeder gut vom Job leben? Oder ist die Arbeit einkommensmäßig mehr so ein Hobby anstatt einer Profession?

Das Einführen von Team-Kennzahlen ist natürlich erst einmal unbequem. Man macht sich vergleichbar, und die Kennzahlen werden nie ein perfektes Bild der Realität darstellen (dazu ist unsere Wirklichkeit einfach zu komplex). Das Principal-Agent Problem wird sich in den meisten Organisationen nicht vollständig lösen lassen.

Aber Teams ohne 2-3 vernünftige Kennzahlen zur Messung der eigenen Leistungsfähigkeit werden nahezu nie Spitzenleistungen bringen oder ihr Potenzial voll ausschöpfen. Die alte Managementweisheit „what gets measured, gets done“ ist aus unserer Sicht auch heute noch absolut valide. Ebenso wie der Hinweis, dass nicht alles quantifiziert werden kann, was wichtig ist, und nicht alles wichtig ist, was gezählt werden kann.

In operativen Bereichen ist das seit Ewigkeiten bekannt und wird gelebt. Wenn man hingegen in indirekten Bereichen (grobe Heuristik: Alles außer Produktion) nachfragt, wie eigentlich so die Leistung gemessen wird, dann stellt sich manchmal heraus:

(A) Gar nicht. Der Rest der Welt kann schließlich froh sein, dass es uns gibt (typisch: Controlling, HR, Strategieabteilung).

(B) Gar nicht. Wir sind schon spitze und haben Probleme, unsere super Leute zu halten, die könnten jederzeit woanders mit Handkuss und dem doppelten Gehalt anfangen (typisch: Entwicklung, Legal, IT).

(C) Gar nicht. Was wir tun, ist Zauberei, außer uns versteht das niemand (typisch: Steuerexperten, Schadensregulierer bei Versicherungen).

(An der Stelle die alte Frage von Warren Buffett: Gibt es noch jemand, den wir vergessen haben, zu beleidigen?)

Effektivität vs. Effizienz

An Stellen wie Vertrieb und Einkauf wird häufig nur die Effektivität gemessen, z.B. Umsatz, Einkaufsvolumen bzw. prozentuale Einsparungen. Die Effizienz (also der Mitteleinsatz zur Erreichung der Ziele) wird ungern verfolgt. Neben unangenehmen Diskussionen mit dem Betriebsrat birgt die transparente Darstellung von Mitarbeiterproduktivität oder von Rendite auf das eingesetzte Budget natürlich Konfliktpotenzial. In einigen Fällen wird auch klar, dass vermeintliche Erfolge der Vergangenheit teuer erkauft wurden.

Gleichzeitig besteht eben auch nur dann die Chance, aus diesen Entwicklungen zu lernen, sie zu antizipieren und bei Entscheidungen mit zu berücksichtigen. Bei Unternehmen, die im Wettbewerb stehen, entscheidet schließlich der Kunde über den Erfolg. Und Kunden vergleichen eben – machen wir alle als Privatpersonen ja auch. Wir wollen ein neues Auto mit mehr Leistung und weniger Verbrauch zum gleichen Preis wie das alte. Unser Handyvertrag soll jedes Jahr weniger kosten und mehr Downloadvolumen haben. Das Gemüse soll Bio sein, aber nicht viel teurer; bitte sehr.

Wenn es schwerfällt, Team-Kennzahlen zu definieren, empfehlen wir eine kleine Übung:

Einfach mal vorstellen, das eigene Team wäre outgesourced und ein eigenständiges Unternehmen.

  • Wer wären die Kunden, die die Rechnungen bezahlen?
  • Was würde als Leistungsinhalt auf den Rechnungen stehen?
  • Nach welchem Modell würde das Team die Leistungen abrechnen (z.B. Stunden, Arbeitspakete oder Kundentransaktionen)?
  • Wie würde man die Kundenzufriedenheit und den Markterfolg beurteilen?

Oft ergeben sich daraus schon viele Ideen (schließlich fehlen in diversen Abteilungen klar definierte interne Kunden).

An der Stelle erstmal Schluss für heute – mehr dann vielleicht in folgenden Beiträgen.

Lasst doch bitte einen Kommentar da. Wie wird in Euren Teams, Abteilungen oder Unternehmen die Leistung gemessen? Gibt es Kennzahlen?

Eine Idee zu “Kennzahlen: Unsere Arbeit ist zu speziell, das kann man nicht in Zahlen fassen

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