Recruiting ist nicht günstig?!

Auf zahlreichen Job-Portalen wie Stepstone oder Monster kannst Du getrost mehere tausend Euro ausgeben, wenn Du offene Jobpositionen veröffentlichen möchtest. Ob Dich das zum Ziel führt und Du tatsächlich geeignete neue Beschäftigte findest und anstellen kannst, ist dabei nicht garantiert. Vor allem kleine oder mittelständische Unternehmen haben oft harte Konkurrenz. In diesem Beitrag stelle ich Dir eine Recruiting Möglichkeit vor, dank der Du vergleichsweise günstig und vor allem zielgerichtet passendes Personal findest.

Herausforderungen beim Recruiting

Besonders kleine und mittelständische Firmen fehlt es oft an einem ausgereiften Employer Branding (Aufbau einer starken Arbeitgebermarke), wofür oft kein entsprechendes Personal vorhanden ist oder der Fokus fehlt. Große Konzerne haben ein eigenes Employer Branding Team und haben über die starke Markenbekanntheit einen zusätzlichen Vorteil.

Und in Bezug auf den Fachkräftemangel? Da hat sich leider auch in den letzten Jahren nicht viel geändert:

Wir haben weiterhin mit dem demographischen Wandel zu kämpfen. Durch die geringe Geburtenrate der letzten Jahrzehnte kommen nur wenige neue Arbeitskräfte nach und zahlreiche Berufstätige (aus den Baby Boomer Jahren) gehen bald in Rente. Das wird dazu führen, dass die Anzahl der Erwerbstätigen Personen in Deutschland bis 2031 um 3,6 Millionen Menschen sinkt. Umso wichtiger ist es nun aktiv zu werden und neue Wege zu gehen.

Wie kannst Du Dich also diesen Herausforderungen stellen und trotzdem qualifizierte Mitarbeiter gewinnen? Das heißt nicht nur finden, sondern Dich von anderen Unternehmen abheben und die Interessenten so auch vom eigenen Unternehmen überzeugen. Nach meiner Erfahrung bieten Facebook und Instagram da hervorragende Möglichkeiten. Wie das geht, liest Du hier.

Anleitung für erfolgreichen Recruiting Prozess durch Facebook Werbung

Recruiting

Die Anleitung soll eine Inspiration für all jene sein, welche vielleicht schon frustriert mit herkömmlichen Recruiting-Methoden sind oder ohnehin gerne neue Wege gehen möchten. Sie ist sowohl für Menschen mit Facebook Expertise als auch für Newbies im Social-Media-Umfeld geeignet. Hier sind die 7 Schritte aufgeführt.

Die Grundidee der Facebook Werbeschaltung fürs Recruiting

Interesse wecken

Der Unterschied von einer Werbeanzeige zu einer Stellenausschreibung auf Monster.de und Co. ist, dass Du Bewerber auf ihrer vertrauten Plattform antriffst und basierend auf ihren Kenntnissen und Interessen direkt ansprichst. Vor allem auch, wenn sie gar nicht aktiv nach einer neuen Stelle suchen. Wir gehen also davon aus, dass einige Personen auf unsere Werbeanzeige klicken, weil sie davon angesprochen werden. Somit gelangen sie auf Deine Landing-Page (idealerweise auf Deiner Unternehmenswebseite, um die Markenbildung zu fördern), auf der sie eine Angebotsbeschreibung (was können Bewerbende vom Unternehmen erwarten?), eine Positionsbeschreibung (was sind die Aufgaben?) sowie ein Anforderungsprofil (was sollten Kandidaten mitbringen?). Am Ende der Seite erfolgt der klare Aufruf zur Bewerbung oder zur Sicherung eines ersten Telefonats. Ich bezeichne das immer als „Erstgespräch“.

Kontakt aufnehmen

Bewerbende füllen ein kurzes Formular mit den minimal notwendigen persönlichen Daten aus: Name, E-Mail Adresse und Telefonnummer reichen. Mit einem Klick schicken sie die „Bewerbungsanfrage“ ab. Bewusst eine sehr niedrige Hemmschwelle also – kein langes Anschreiben erforderlich, in dem meist eh nur Floskeln stehen. Dies kann vor allem für kleine oder mittelständische Unternehmen mit geringer Markenbekanntheit interessant sein. Erst im zweiten Schritt, sprich während des Erstgesprächs kann nach weiteren Informationen wie dem Lebenslauf gefragt werden.

Aber Vorsicht, eine zu geringe Hürde kann auch einen Überfluss an Bewerbern nach sich ziehen. Um dem entgegenzuwirken ist eine detaillierte, ehrliche, fragenbeantwortende Stellenausschreibung auf der Landing-Page und spezifische Zielgruppendefinition in Facebook notwendig, um geeignete Bewerber herauszufiltern. Was wir wollen sind schließlich nur EIN passender Kandidat oder EINE passende Kandidatin und nicht möglichst viele Bewerbende, die dann mühsam durch den Bewerbungsprozess geschleust werden müssen. Stellenausschreibungen mit Magnetwirkung ist da das Stichwort. Nachfolgend findest Du die Schritte zum Erfolg.

1. Definition der Arbeitgebermarke

Bevor Du mit dem technischen Set-up der Kampagnen in Facebook beginnst, solltest Du Dich zunächst mit den essenziellen Fragen des Employer-Branding beschäftigen:

  • Wie möchte ich als Unternehmen nach außen wirken?
  • Mit welchem Image und welchen Botschaften möchte ich als Unternehmen beim potenziellen Bewerber ankommen?

Du hast diese Fragen schon beantwortet und ausgearbeitet? Wunderbar, dann kannst Du gleich zum nächsten Schritt. Falls nicht, sollte ein Konzept für die Arbeitgebermarke ausgearbeitet werden.

2. Stellenanzeige und Landing-Page erstellen

Sobald eine Stellenausschreibung vorliegt, solltest Du daraus eine Stellenanzeige erarbeiten – erstmal im Textbearbeitungsprogramm. Formulierungshilfen und Beispiele gibt es zu Genüge, wichtig ist hier aus meiner Sicht, dass der Unternehmenscharakter mit eingebunden wird. Das bedeutet z. B. ist die Anrede „Sie“ oder „Du“, ist der Schreibstil eher umgangssprachlich oder gewählt ausgedrückt, wird auf die zentralen Werte und die Unternehmenskultur eingegangen?

Hier meine Tipps und das dazugehörige Beispiel darunter:

  • Um was geht es? -> Jobangebot
  • Interessen wecken mit einer Frage oder der Marketing Technik der Verknappung (z. B.: nur die ersten 20 Bewerber bekommen ein Erstgespräch)
  • Den Sales Text kurz halten und am besten mit Aufzählungen, das ermöglicht eine schnelle Erfassung durch den Lesenden
  • Persönlicher Bezug zum Unternehmen, z. B. durch die namentliche Vorstellung des Inhabers, dies bringt eine persönliche Note in die Anzeige, alternativ kann auch Dein Team oder der vorherige Stelleninhabende nach einer Führungskraft oder einem Nachfolgenden suchen
  • Job Anforderungen kurz nennen
  • Benefits des eigenen Unternehmens aufzählen
  • Aufruf zur Bewerbung und zur Sicherung eines Erstgesprächs

Beispielstellenanzeige für die Werbung auf Facebook

Recruiting Sales Manager

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Dies sollte keine Vorlage sein, sondern als Orientierung für eine Anzeige dienen. Das A & O ist es nämlich sich von anderen Stellenanzeigen abzuheben und durch Kreativität ins Auge zu stechen.

Nachdem Du die Stellenanzeige erstellt hast, kannst Du die zuvor erarbeitete Stellenausschreibung auf eine Landing-Page aufsetzen. Auf diese gelangt später die Zielgruppe, nach dem Klick auf die Facebook Werbeanzeige – die Stellanzeige. Und hier erfolgt dann die „Bewerbung“ über das Kontaktformular.

Als nächstes legst Du mit dem Aufsetzen einer Facebook Anzeige los. Die nächsten Abschnitte sind dabei keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern gehen auf die wesentlichen Punkte der Anzeigenerstellung ein.

3. Facebook Business Manager und Unternehmensseite einrichten

Falls Du noch keinen hast, beginne mit dem Einrichten eines Kampagnen Managers in Facebook. Grundsätzlich empfehle ich den Facebook Business Manager einzurichten. Du kannst zwar auch mit Deinem privaten Facebook Profil ein Werbekonto erstellen, jedoch eben auf diese Person beschränkt. Mit dem Business Manager kannst Du dagegen mehrere Nutzer verwalten und direkt Deine Unternehmensseite verlinken. Die Werbeanzeige wird so über diese Unternehmens-„Fanseite“ direkt ausgespielt. Hier findest Du eine Anleitung zum Erstellen Deiner Facebook Unternehmensseite.

4. Anzeigegruppen und Werbeanzeigengruppe erstellen

Recruiting mit Facebook Business Manager

Nun erstellst Du die eigentliche Werbeanzeige im Facebook Kampagnenmanager. Hier wird zwischen den folgenden Begriffen unterschieden:

  • Das Werbekonto enthält die Werbekampagnen.
  • Die Werbekampagnen definieren das Ziel der Werbeanzeige (Clicks, Impressions, Conversion, …)
  • Die Werbekampagnen enthalten die Anzeigengruppe, darin definierst Du die Zielgruppe.
  • In der Anzeigengruppe erstellst Du die einzelnen Werbeanzeigen (für die spezifische Kampagne und die definierte Zielgruppe). Hier kannst Du unterschiedliche Anzeigen mit gleichem Ziel testen und so Deine Anzeige optimieren.

Nachdem Du die Unternehmensseite verknüpft hast, geht es dran die Zielgruppe für die Stelle zu definieren. Hier können neben dem Standort, der Radius als auch Interessen ausgewählt werden. Es empfiehlt sich detailliertes Targeting, d.h. nur eine Zielgruppenauswahl (z. B. Interesse nach Beruf, Branche etc.) pro Anzeigengruppe. Bei der Zielgruppengröße gilt: Je spezifischer desto besser, allerdings sollte sie auch nicht zu klein sein, ich empfehle minimal 1500 Personen. Die Facebook-Einschätzung zur Zielgruppengröße auf der rechten Seite dient Dir als hilfreiche Orientierung.

5. Platzierung und Budget

Basierend auf meinen Erfahrungen empfehle ich die Platzierung auf Facebook und Instagram, sprich alle angebotenen Kanäle können aktiviert werden. Dies ist von der Zielgruppe abhängig, da Instagram jüngere Menschen anspricht als Facebook. Da Du das Alter aber eh definiert hast, bist Du dabei sowieso auf der sicheren Seite und kannst daher alle Plattformen auswählen, falls gewünscht. Ein Startbudget kann bereits 10 € pro Tag betragen und bei zu geringer Resonanz entsprechend hochgeschraubt werden. Hier kannst Du etwas ausprobieren, jedoch sollte die Testphase einige Tage betragen, um realistische Schlüsse ziehen zu können.

6. Format & Medien wählen

Einzelbilder oder Videos sind gut geeignet. Ein ansprechendes iStock Bild, welches mit dem Beruf verknüpft ist, funktioniert gut, wenn es dennoch authentisch wirkt. Auch hierbei solltest Du beachten, dass die gewählten Bilder mit dem definierten Arbeitgeber Image übereinstimmen. Hier ein paar kurze Tipps zu Bildauswahl:

  • Keine Farben ähnlich zu Facebook, wir wollen uns abheben
  • Bilder mit Menschen funktionieren am besten
  • Farbintensive und moderne Bilder ziehen Aufmerksamkeit auf sich
  • Weniger ist mehr aber dennoch ansprechend

7. Fertigstellen der Anzeige

Wie bereits erwähnt sollte die Anzeige ins Auge springen, daher muss der Call-to-Action „Jetzt bewerben“ auf den ersten Blick direkt ersichtlich sein. Nachdem Du also aussagekräftige Texte, passende Bilder und Links eingefügt hast, solltest Du nochmal alles genau prüfen. Bitte vergesst nicht einen Facebook Pixel zu erstellen und auf der Landing-Page zu integrieren. Dies ermöglicht ein genaues Tracking aller Zahlen wie Besucher, Klicks, Conversions usw.

Geschafft: Recruiting leicht gemacht

Nun ist alles aufgesetzt und Du kannst gespannt abwarten, wer sich bewirbt. Je besser Deine Stellenanzeige auf Facebook, mit den gewählten Einstellungen und der Stellenausschreibung zusammenpassen, desto weniger, dafür aber bessere Anfragen erhältst Du. Also falls nötig nachjustieren oder pausieren, um die vorhandenen Bewerber im folgenden Recruiting-Prozess zu bewerten. Bisher waren bei mir immer im allerersten Versuch die Top-Kandidaten dabei und das bereits nach 5 Tagen geschalteter Werbung und 1-2 Gesprächen pro Stelle. Deshalb wünsche ich Dir auch viel Erfolg und Freude an den Ergebnissen!

Ein Hinweis zum Schluss: Ähnliches Recruiting funktioniert auch mit Google Ads, LinkedIn und XING etc. Je nach Zielgruppe solltest Du die Plattform an die Stelle und Dein Unternehmen anpassen. Das Vorgehen im Groben ist dann analog. Mehr dazu in folgenden Beiträgen.

Was hast Du für Erfahrungen mit Stellenanzeigen auf Jobportalen gemacht? Hast Du bereits moderne Methoden wie Social-Media-Anzeigen in Erwägung gezogen? Schreibe es in die Kommentare, wir sind auf einen Austausch gespannt! Melde Dich auch gerne bei Fragen persönlich.


Marvin Bunjes


Marvin ist Experte für Produktivitätssteigerung und Gewinnmaximierung durch Lean Manufacturing und Operative Exzellenz im Mittelstand. Er gibt mit seiner Arbeit den Beschäftigten eine Stimme. Nur so können sie ihre Erfahrung und ihr Wissen preisgeben und ihre Motivation und Fähigkeiten zur kontinuierlichen Verbesserung einsetzen. Dies stets zum Wohle aller – der internen und externen Kunden, der Zulieferer und natürlich der Unternehmen selbst. Als Jäger ist er oft in der Natur. Dort kann er seine Naturverbundenheit ausleben und nutzt die Zeit zur kreativen Lösungsfindung.

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