In den Medien und Netzwerken gibt es eine Menge Ratschläge und Hilfen zu Schutzmaßnahmen, Liquiditätshilfen und Maßnahmen, um den Cash Flow in der Coronavirus-Krise zu sichern. Aber hast Du eine Ahnung, wie die ganzen Maßnahmen in Deinem Betrieb ineinandergreifen und welche Auswirkungen sie auf Dein Unternehmen haben? Wie entwickelt sich die Gewinn- und Verlustrechnung oder der Cash Flow Deiner Firma? Welche Maßnahme hat den größten Hebel, wenn plötzlich doch die Aufträge wegbrechen oder neue ausbleiben? Nach diesem Beitrag bist Du gewappnet und findest die Antworten auf die Fragen. Ich zeige Dir, wie Du für alle denkbaren Szenarien die Auswirkungen Deiner geplanten Maßnahmen simulierst.

Genau da hapert es bei den Unternehmen in der Coronavirus-Krise

Obwohl sich viele Unternehmer gerade in ihrer Existenz bedroht sehen, fehlt es an der nötigen Transparenz in den wichtigsten finanziellen Kennzahlen. Ich hoffe Du bist besser dran, als in diesem Artikel der WiWo angedeutet:

„Firmen, die in der Vergangenheit nicht in digitale Systeme und integrierte Prozesse investiert haben, […], werden noch größere Probleme bekommen. Sie können Szenarien schlechter planen und stehen heute immer fünf Zentimeter vor der Wand.“

Knut Alicke, McKinsey-Partner


Kommt Dir das trotzdem bekannt vor? Dann solltest Du Dir schleunigst darüber Gedanken machen, wie Du Licht ins Dunkel bekommst.

Mit den nachfolgenden 7 Coronavirus-Tipps kannst Du die Auswirkungen der Coronavirus-Krise simulieren, damit Du fundierte Entscheidungen fällen kannst.

Hinweise vorab:

Es ist zu empfehlen ein Planungsteam aufzusetzen, das das Modellieren und Entwickeln von Handlungsempfehlungen übernimmt. Neben der Unternehmensleitung sollten wichtige Beschäftige aus der Produktion und dem Vertrieb sowie dem Controlling bzw. der Buchhaltung einbezogen werden. Wie im Verlauf noch weiter beschrieben, solltet Ihr Euch regelmäßig treffen und die aktuellen Entwicklungen und Frühindikatoren im Blick haben, um entsprechend Szenarien und Handlungsempfehlungen zu aktualisieren.

Die Aktion solltest Du mit Deinem Team nach dem 80/20-Prinzip durchführen. Das bedeutet, das Modell sollte innerhalb von 2-3 Tagen einsatzbereit sein und keine mehrwöchige Aktion werden. Ziel ist es schnelle “gut-genug” Antworten zu finden, ansonsten verliest Du Dich in den komplexen Details. Es ist gerade wichtig, sich mit der Unsicherheit abzufinden und trotzdem Entscheidungen zu treffen.

Falls Du kein anderes Tool zur Verfügung hast, nutze Excel für die Simulation. Je nach Komplexität Deines Geschäftsmodells und Deines Unternehmens reicht das völlig aus.

1. Transparenz über die finanziellen Kennzahlen verschaffen
Coronavirus-Krise - Transparenz

Leider ist das nicht selbstverständlich. Ist in Deinem Unternehmen die Transparenz noch nicht gegeben, ist das der erste Schritt. Hierbei solltest Du Dich dabei auf die aktuelle G&V und die Liquidität bzw. den Cash Flow fokussieren. Die richtigen Ansprechpartner für diese Zahlen sind Deine Finanz- und Lohnbuchhaltung und/oder Dein Steuerberater. Als Stichtag bietet sich das Monatsende gerade an – aktuell 30.04.2020. Auch hier gilt das 80/20-Prinzip, es muss nicht immer die letzte Rechnung für 10 € beinhaltet sein, sonst fehlt immer irgendetwas. Wichtiger ist es schnell eine Tendenz zu bekommen.

Dennoch ein Hinweis, der Ganz etwas verzögert, bitte denkt direkt darüber nach, wie Ihr das Modell zukünftig aktualisiert, also mit neuen Informationen “füttert”. Falls das viel händische Arbeit erfordert, wird das vermutlich nicht passieren. Deshalb am besten gleich auf vorhandene Daten und Tabellen zurückgreifen, von denen die Infos idealerweise automatisch gezogen werden.

2. Budgetplanung oder Umsatz/-Kosten-Prognose heranziehen

Du solltest die ursprüngliche Budgetplanung oder Prognose für die nächsten 5-12 Monaten als Basis heranziehen oder unbedingt entwickeln. Dabei solltest Du natürlich die Auswirkungen durch die Coronavirus-Krise erstmal außer Acht lassen. Die kommen erst ab Schritt 4 ins Spiel.

Falls es keine Budgetplanung oder Prognose gibt, empfehle ich Dir Dich mit Deinem Team aus der Produktion, dem Vertrieb und der Buchhaltung zusammen zu setzen und auf Basis der IST-G&V (Schritt 1), die absehbaren Aufträge und Kosten über die kommenden Monate zu prognostizieren. Je nach Auftragsstand, geht das für die ersten Monate vermutlich noch ganz gut, irgendwann müsst Ihr aber Annahmen darüber treffen, auf welchem Stand der Umsatz und die Kosten auf Folgemonate fortgeführt werden können.

Hier ein Tipp, für große Umsatzblöcke (Großaufträge, wichtige Produkte etc.) solltet Ihr schon ins Detail gehen und Euch anschauen, wie groß sind die Einnahmen, (wann) bezahlt der Kunde, wann wirken die Kosten und wie hoch sind diese sowie, wie groß ist die Eintrittswahrscheinlichkeit bzw. was passiert in welchem Szenario mit diesen Einnahmen. Die vielen kleinen verschiedenen Aufträge solltet Ihr versuchen zusammenzufassen und als einen Block betrachten – 80/20 Prinzip.

3. Aktuelle Liquidität bewerten

Wie viel Liquidität ist noch vorhanden, frei oder kommt (wahrscheinlich) ziemlich sicher in den nächsten Tagen rein? Diese Zahl brauchst Du später, um Deinen Cash Flow zu überwachen. Denn jeder Monat hinter dem ein Minus steht schmälert Deine Liquidität und es droht ein negativer Cash Flow.

4. Szenarien der Coronavirus-Krise entwickeln
Szenarien in der Coronavirus-Krise

Wieder zusammen im Team, solltet Ihr mögliche Szenarien entwickeln. Diese reichen von es “läuft besser” bzw. mehr Absatz bis hin zu einem nahezu vollständigen Einbruch der Einnahmen. Ihr solltet 5-7 realistische Szenarien und ihre mögliche Wirkung auf die Basis G&V beschreiben. Zusätzlich ist die Eintrittswahrscheinlichkeit abzuschätzen. Ich rate Euch mehr als drei Szenarien zu bestimmen, ansonsten entsteht die Tendenz sich ohnehin auf den mittleren Case zu einigen.

5. Maßnahmen und ihre Wirkung definieren

Zu den Maßnahmen zählen jene, die auf die Kosten abzielen (z. B. Kurzarbeit), den Umsatzsteigern (z. B. Produktion/Service umstellen) oder die Liquidität Deines Unternehmens erhalten. Nachdem Du die Maßnahmen gelistet hast, kannst Du bestimmen auf welche Kategorie sie in der G&V einwirkt (Kurzarbeit z. B. auf Personalkosten bzw. Löhne und Gehälter), in welchem Maße und zu welchem Zeitpunkt.

Hier ist vor allem der Zeitpunkt wichtig, denn bitte beachte: bei Kurzarbeit musst Du erstmal in Vorleistung gehen und bekommst erst mit Verzögerung das Geld erstattet. Auch hier kannst Du unterschiedliche Maßnahmen und deren Auswirkungen und Zeitpunkte miteinander kombinieren und daraus Maßnahmenszenarien bilden.

6. Alles mit einander kombinieren

Je nachdem wie bewandert Du mit Excel bist, kannst Du die Maßnahmenszenarien zusammen oder nacheinander mit den Szenarien der Coronavirus-Krise (Schritt 4), dem Budgetplan bzw. der G&V Prognose (Schritt 2) und der aktuellen Liquidität (Schritt 3) verknüpfen. Wenn alles ineinander greift, kannst Du für die verschiedenen Coronavirus-Szenarien und die entwickelten Gegenmaßnahmen den prognostizierten Unternehmensgewinn und Cash Flow ablesen.

Wenn dieses Modell regelmäßig (z. B. wöchentlich) mit den neuesten Zahlen füttert wird, kannst Du Deine Szenarien, Maßnahmen und Entscheidungen jede Woche überprüfen und ggf. anpassen. Dafür bieten es sich an, einen Coronavirus-Monitor mit Deinem Team einzurichten, also eine Art Krisenstab. In der Diskussion hilft Dir dabei der letzte Schritt.

7. Frühindikatoren definieren
Frühindikatoren in der Coronavirus-Krise

Damit Du schnell erkennst, welche Szenarien zutreffen, wahrscheinlicher werden oder auch um früh zu erkennen, wann sich die Lage wieder bessert, solltest Du Frühindikatoren definieren. Als Lebensmittelhersteller, der Kantinen beliefert, kannst Du z. B. genau betrachten wann die Schulen und großen Unternehmen wieder die Arbeit aufnehmen. Als Automobilzulieferer, ist es natürlich Sinn die OEMs zu beobachten und entsprechend zu regieren. Wie dann der Hochlauf nach der Krise aussieht steht auf einem anderen Blatt. Darüber mache ich mir auch noch Gedanken und werde es dann auch posten.

Melde Dich gerne bei mir, falls Du Fragen zur Modellierung Deiner Unternehmensfinanzen und der Szenarien hast oder selbst nicht so gerne mit Excel arbeitest. Ich helfe Dir gerne schnell, unkompliziert und kostenlos.

So oder so freue ich mich auf Deine Anregungen und Kommentare zu den beschriebenen 7 Schritten oder allgemein. Mit welchem Gefühl triffst Du aktuell Deine Entscheidungen? Was könnte Dir sonst noch dabei helfen sichere Entscheidungen zu treffen? Ich bin gespannt. Schreibe mir gerne auch direkt eine Mail! Bleib gesund!


Marvin Bunjes


Marvin ist Experte für Produktivitätssteigerung und Gewinnmaximierung durch Lean Manufacturing und Operative Exzellenz im Mittelstand. Er gibt mit seiner Arbeit den Beschäftigten eine Stimme. Nur so können sie ihre Erfahrung und ihr Wissen preisgeben und ihre Motivation und Fähigkeiten zur kontinuierlichen Verbesserung einsetzen. Dies stets zum Wohle aller – der internen und externen Kunden, der Zulieferer und natürlich der Unternehmen selbst. Als Jäger ist er oft in der Natur. Dort kann er seine Naturverbundenheit ausleben und nutzt die Zeit zur kreativen Lösungsfindung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.